#Linuxtag 2010 - Tag 1
Von eben jenen komme ich gerade, stelle eine PI- Tasse unter meine Kaffeemaschine, boote ein Debian, öffne mein selbsterstelltes Blog, was auf meinem selbstgewarteten Rootserver liegt und lese meine Emails, die auf einem selbst eingerichteten Mailserver bereitliegen. Ich schreibe das alles nur, um mich selbst zu rehabilitieren, denn scheinbar bin ich doch nur ein Weibchen.
Wieso das?
Weil man sich auf diesem Kongress so fühlt, wenn man als Frau unterwegs ist. Die Hostessen rausgerechnet, lag die Frauenquote da wohl bei π, sehr optimistisch betrachtet.
Ich komme also an, lasse mein Ticket durchscannen, merke, das ich ja gar kein Programm habe und begebe mich wieder Richtung Ausgang, denn der Infostand steht dummerweise dort. Der Security hält mich mit der Frage auf, wo ich denn hin wollte. Kennst du dieses Lächeln, was aussieht, als würde man dir im nächsten Augenblick in den Hals beißen? So ein ganz gruseliges überfreundliches? Eben dieses setzte man zu dieser Frage auf, was mich völlig aus dem Konzept brachte. Ich stottere also irgendwas von Infostand und man lässt mich ziehen.
Völlig überfordert versuche ich erst einmal eine Übersicht zu bekommen. Zuviele Räume und zuviele Pfeile für mich.... Nach und nach zeichnet sich eine Karte in meinem Kopf, ich kann dann also Stände erkunden.
Auffälligkeit Nummer 1. (wenn man den da oben nicht mitzählt):
Ich werde von den Damen mit E- Learning- Flyern überhäuft und von den Herren im besten Fall schlicht übersehen. Am ein oder anderen Stand gab man sich zuweilen Mühe, die Irritation zu unterdrücken, wenn der kleine blonde Zwerg mit Fragen kam, die über "Darf ich mal klicken?" hinausgingen und eher in Richtung "Ich setze eure Software ein, installiere/warte sie bei n Kunden und suche spezifische Lösungen für $Problem." zielten.
Generell werde ich an jeder Ecke bestenfalls für einen Einsteiger gehalten, bis auf eine Ausnahme:
An "(Nerd|Geek)ständen", den Oreilly- Stand mag ich zum Beispiel dazu zählen, hinter denen Frauen in Tshirts und Hosen stehen, ist die Welt wieder OK, da fühl ick mir wohl. (Das mag auch an den Büchern liegen, ich geb es zu.)
Ich organisiere mir einen Kaffee und installiere mich vor der offenen Bühne in der OpenSource- Arena. Beim "Monitoring mit Nagios" - Vortrag fiel ich rekapituliert nicht sonderlich auf, denn ich hatte zur Tarnung einen Kaffeebecher in der Hand. Beim anschließenden "Geld verdienen mit Open Source" schon eher, nachdem man denn die Frage stellte, wer mit OS denn alles sein Geld verdienen würde und 3 Hände hochgingen. Einschließlich meiner. Links neben mir loggte man sich in ein Blog ein und las Emails. Ich merkte an, das man hier in einem offenen WLAN wäre und jeder theoretisch mitlesen kann, ob man das wüsste. Wusste man links wohl nicht und rechts starrte man mich mit großen Augen an. Ich bekam allmählich Zweifel, wo ich denn hier wäre und musste mir den Slogan "Where .com meets .org" ins Gedächtnis rufen und beruhigte mich damit, dass das wohl alles .com wären, trotz ihrer tollen Nerdshirts.
An der Venus gleich links: Landung auf dem Mars
Beim "Linux-HA: Quo Vadis?" hat man heute wohl mit allem gerechnet. Aber nicht mit mir. Ich komme in den Raum und fühle mich, als hätte ich die Männer gerade beim Pornoguggen erwischt. Der eine Teil starrt mich an, als müsse man identifizieren, was ich denn für ein Ding wäre, der andere Teil eher mit einem "Hat sie sich verlaufen?"- Blick. Frau und Linux? Ok. Frau und HA? Öhm? HA- Cluster? WTF????
In "normalen" Geekspaces (2$C3 z.B.) nimmt man mich nichtmal wahr, wenn ich nicht gerade ne Mateflasche umwerfe oder man die Frauenquote berechnet. Im Alltag oder auf der Arbeit fragt mich auch niemand nach Geschlecht, ich bin das also so rein garnicht mehr gewöhnt, hier unterschieden zu werden, ich find es eher befremdlich und fühle mich ganz plötzlich so, als würde ich dort nicht hingehören. Dem FSM gedankt hat mich der große Root mit mehr als genug Selbstbewusstsein ausgestattet, das ich mich auch in den nächsten Vortrag "traue" und schlicht und ergreifend mein Netbook starte, eine Shell öffne und das ganze Dinge vor mir stehen lasse. Das war wohl die große Eintrittskarte in die Zipfelwelt, man akzeptiert mich nun. Wie einfach das Leben sein kann....
Beim Foebud ist es nett, deren Stand ((Halle 7.2b, Stand 118) habe ich als Dauerparkplatz gewählt, zu dem ich immer wieder zurücktappse, nachdem ich wieder eine Runde drehte, nicht nur deshalb, weil ich ihn aufgrund der riesigen Krake obendrauf immer wieder finde, sondern auch, weil man sich ja von anderen Treffen eh schon kennt. Ausserdem gibts da Cokeroaches. Vom Künstler persönlich, mit einem charmanten Lächeln. Geh dahin, wenn du auf der Messe bist, die freuen sich.
Den Vogel schoß man heute aber am Perl- Stand ab. Perlhacker sind Freaks. Nerds²³. Und überhaupt sind sie komisch. Deswegen mag sie niemand und sie bilden Gruppen. Keine richtigen, aber scheinbar erkennen sie sich untereinander, wenn sie sich treffen, das FSM weiß wie....
Na jedenfalls hatte man da $foo - Taschen. Die fand ich hübsch und fragte einfach an, ob man mir eine überlassen mag.
Szenerie vorher: 3 Typen hinter dem Stand, allesamt sehr perlig, 5 Typen vor dem Stand, allesamt sehr langbärtig. Icke dazwischen irgendwo.
Szenerie nachher: 3 grinsende Typen hinter dem Stand, 5 blöd guggenden Typen vor dem Stand (ach, da unten steht ja auch was?), einer der perligen sich von der Gruppe lösend, mir ein $foo-bag holend, mir mit einem frechen Grinsen "do u know what foo is?" das Ding überreichend, sich das von mir positiv beantworten lassen, und 5 Typen, bei denen du beim subtilen "Aber na sicher weißt du das, Kleine..." den Kopf einziehst, weil du Angst bekommst, die tätscheln gleich.
Christoph