26C3 - Ein Rückblick
Geschult vom Ticketkampf des letzten Jahres auf dem Chaos Communication Congress entwickelte ich diesmal einen ganz perfiden Plan: Ich komme einfach früher!
Nun hat man ja als Berliner den unschätzbaren Vorteil, das sich diese Stadt mithilfe der BVG zu einem Dorf entwickeln kann, sich also fast immer ein Verkehrsmittel um die Ecke finden lässt, was einen in kurzer Zeit zum $Ziel bringt.. Laut Webseite öffneten die Kassen um 17:00, dann kann ich ja mal kurz vorbei da.
18:00
Ankunft
Die Kassen machen um 22:00 auf, prangt es. Bleiben & Warten oder eben nicht, das ist die Frage. Ich entschied mich für ersteres. Ich würde mir später noch selbst danken für diese Idee.
Ein paar Kaffee und BCC- Runden später:
Die Kassen öffnen um 20:00.
20:00
Ich stehe vor dem BCC in einer Schlange, die sich allmählich in der 2. Reihe beginnt, zu krümmen. Japanische Touristinnen fragen, was es hier gäbe und beschließen recht schnell, das es sich nicht lohnt, für eine Handvoll Nerds& Geeks die Kameras auszupacken.
20:durchgefroren
Der Schlangenfunk verkündet, das man sich nun nach drinnen verlagert.
20:auftauend
Nun stehe ich hier drin. Die Kassen sind gefühlt weit weg, aber wenn ich so hinter mich schaue, habe ich es wohl recht gut erwischt hier vor dem Infodesk. Zettelpings durch die gesamte Schlange dauerten wohl 15 Minuten, irgendwo mittendrin verkündete ein Zettel "ab hier nur noch 42 Stunden" und !eof- Shirts lassen hoffen. Ich erkannte für mich persönlich das erste Mal im Leben einen Sinn im twittern, nämlich als Massenchatmedium in einem solchen Kollektiv.
22:30
Ich habe mein Band!
23:30
Abgekämpft kehre ich zurück von meinem "kurzen" Reallifeausflug.
Tag1:
Ich habe es mir redlich verdient, die Keynotes zu verschlafen und tauche um 12:00 auf um festzustellen, das der Kongress ausverkauft ist. Scheinbar war ich gestern nicht die einzige mit dem Plan gewesen.
12:45 - Eine Zensur findet statt
Ich lerne, das Nordkorea nur aus 6 Internetseiten besteht, lande anschließend bei Leyen-Rhetorik, welche auf großartiger, ungeahnte, phänomenale Art und Weise, $Hyperbel_deiner Wahl die rethorischen (Nicht)fähigkeiten der Frau Leyen debuggt.
Nun brauche ich Kaffee. Ich drehe eine BCC- Runde und werde von Enno, bewaffnet mit einer Mülltüte und Schere abgefangen: "Ihr müsst jetzt mitkommen, dokumentieren." Ähm? Ja? Ok? Ich tappse mal hinterher, so wirklich weiß ich nicht, was mich erwartet. "Was wird das hier?" "Haareschneiden." "Bitte?" "Ja, heute hatte kein Friseur mehr auf." "Es ist Sonntag?" ... lassen wir das, dokumentieren wir einfach.

Korrupt drehte den Film zum Foto.
Leider ist die Menschentraube nicht dokumentiert, welche sich nach und nach um das Spektakel bildete. "Hat er ne Wette verloren?" war btw. der Spontantipp Nummer 1.
Um 17:15 stellt MOGiS in "Internetsperren" einen DNS über P2P vor. Ich sitze derweil da und überlege die ganze Zeit, woher ich das kenne. Im Nachhinein, hier zu Hause, finde ich adhoc 5 Ergebnisse im ersten Googlequery (auf Seite 1).
Um 21:45 erlebe ich erstaunliches beim "Wireless power transfer" - Vortrag. Ein innerhalb weniger Minuten wegen Überfüllung geschlossener Raum ist innerhalb weniger Minuten wieder leer.
Ich gebe zu: Ich bin auch "geflüchtet", Beschreibung und eigentlicher Vortrag klafften da etwas sehr auseinander.
"Wollen wir in den Keller?" fragt man mich. Ich folge, in Anbetracht der Temperaturen draußen und suche mir einen "Habt ihr Strippeninternet?"- Platz inmitten der Orgie.
Mit einem Eifon kann man so einiges machen (haha), mit dem richtigen App oder der richtigen Hardware, beispielweise kann man mit einem Beamer Hairmoddingfilme an die Decke streamen oder aber TapTap-Revenge zocken.
Tag2:
Ich saß zu lange im Keller, ich weiß nichts mehr von diesem Tag. Wirklich. Alles weg. Aber ich meine, wir waren noch bei MM, um einen Switch zu erstehen, da ich mein Netzteil nicht mehr fand und keiner von uns aufstehen wollte, da wir ja nun "unser Rechenzentrum aufgebaut hatten" und einen Platz auf der Couch fanden. Ich kann mich nur noch an den Taxifahrer erinnern, der mir eine Rede zum Reallife hielt und das Internet an sich ja eh völlig doof ist und überhaupt...
Tag3:
Völlig Oldschool synct man sich per SMS:

Gemeint war ein Vortrag zum "ASSP – Advanced Smokers Synchronization Protocol", für welchen man morgens um 5 die Zusage bekam und um 6 die Folien bastelte.
15:00

"Wir haben diese Demo angemeldet. Die üblichen Auflagen: Keine Waffen, (etc...), kein Vermummen ... es sei denn, es ist sehr kalt." Es *war* sehr kalt.
Schilder sind im übrigen eine sichere Methode, um auf Fotos oder ins Fernsehen zu kommen. "Schenkst du uns einen Satz, der mit "Die Voratsdatenspeicherung ist Scheiße, weil..." anfängt?"
Man versuchte sich am singen von "die Gedanken sind frei", blöd nur, wenn keinem der komplette Text einfällt. :o)
Im Anschluss an die Demo konnte ich beobachten, wie reales Vernetzen funktioniert:
"Hast du Feuer?"
"Ja. Was machst du so?"
"Iphoneapps entwickeln."
"Gib mir mal deine Emailadresse."
(Ohne weitere Nachfrage gab man sie weiter. Ich fand das spannend, doch.)
"Gib mir mal auch deine."
Das ging schneller, als ich es je im Internetz geschafft hätte. Respekt.
Wir zogen uns wieder in den allseits bekannten und warmen Keller zurück, bauten "unser Rechenzentrum" auf, installierten Stolperstellen und ließen uns nicht von Sabotageversuchen beirren.
18:00
Die singende Teslaspule vor dem BCC. Ich sah tags davor ein Youtubevideo davon, ich musste das live sehen.
"Wie funktioniert das?"
"Das ist eigentlich ganz einfach: *erklär*"
(Kennt wer Ally McBeal, die sich zwischendurch ausklinkt und nur noch Musik hört?)
Ich habe keine Ahnung, wie dieses Ding funktioniert, aber hübsch wars.
Kaum aufgewärmt, war es 19:30, der angekündigte Termin für den alljährlichen Dunkin-DDos. Das sah dann so aus.
Während der erste Stop noch mit lautem Gebrüll mehr oder weniger überflutet wurde, formierte man sich am 2. zu einer langen Schlange. Die Sicherheitskräfte hatten sichtbar Freude an uns. (Zettelping 22 Sekunden). Der 3. war vorgewarnt worden und setzte sich mit Extradonuts zur Wehr. Der Punkt ging an sie.
Wirklich alt wurde ich am Tag 3 dort nicht, sämtliche Räume waren eh überfüllt und ob ich den Stream nun im Keller oder zu Hause schaue, spielt ja nicht wirklich eine Rolle.
Tag4
11:30 Wikipedia - Wegen Irrelevanz gelöscht
Ich kam völlig verpennt an, aber nach dem Vortrag war ich wach. Das lag nicht nur am Schreihals hinter mir, der den ganzen Vortrag über nach vorne brüllte, sondern auch daran, das ich nahezu die Hälfte der Zeit damit kämpfte, meinen Kaffeebecher nicht zu werfen. Nach vorn oder hinten, die beiden Seiten nahmen sich beide nichts. Ich mag da auch nicht groß bashen nun, ich empfehle den Stream ausdrücklich. (So ein arroganter Vollidiot da, &"%/!/W/&(/()%&/"&/(()%$"&!! *grml*)
"Komm in den Keller, wir haben LAN!!11elf" lockt man mich anschließend wieder auf die dunkle Seite. Ich folge. Anschließende Versuche, noch einmal an der Oberfläche aufzutauchen, werden sowieso unterdrückt.


Ausserdem gibt es dort Spione. Die sind gruselig.
Allerliebst:
Am Ausgang verabschiedet mich "mein" Schild:

Tales from the Mac Hell